Endlich – eine definitive Diagnose

Böhmi ist beim Marburger Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen (ZusE) in Behandlung. Hier arbeiten Spezialisten verschiedener Fachgebiete Hand in Hand. Geführt wird das Zentrum von Professor Jürgen Schäfer.

Hier wurde nun in Stefans Stuhl eindeutig ein Parasit nachgewiesen, der bei uns normalerweise gar nicht vorkommt und nach dem bei Menschen, die niemals außerhalb Europas gewesen sind, nicht gesucht wird. Böhmi hat seit fünf Jahren Bilharziose. Leider ist die Krankheit mittlerweile chronisch geworden, weil die Schistosomen so lange unerkannt in Böhmi wüten konnten. Die meisten seiner Symptome sind tatsächlich durch den Befall mit diesen Parasiten zu erklären.

Wie hat er sich nun eine Krankheit eingesammelt, die er bei uns in Deutschland eigentlich überhaupt nicht bekommen dürfte? Als einzige Verdächtige blieben da nun nur noch seine Aquarienschnecken. Süßwasserschnecken sind in den Tropen und Subtropen bekannt als Überträger. Der Medizin war bisher kein Fall bekannt, dass man sich die Schistosomen auch über Schnecken aus dem Aquarienwasser einsammeln kann – aber das scheint nun tatsächlich Fakt zu sein.

Böhmi wurde mit Praziquantel behandelt. Da die Krankheit mittlerweile chronisch ist, ist allerdings sehr fraglich, inwieweit sich seine Symptome noch zurückbilden.

Von der Bilharziose abgesehen bleiben dann noch der Immundefekt, die Mastozytose, die genetisch bedingte Unmöglichkeit, bestimmte Stoffe zu entgiften, die daraus resultierenden Symptome … es gibt noch viel zu tun bei Böhmi, aber wenigstens eine Baustelle wird nun bearbeitet!

Und Böhmi ist im Fernsehen: Der Arzt, der um die Ecke denkt

Die Charité Berlin kümmert sich ebenfalls um Böhmi. Von dort werden nach wie vor dringend Apheresen (Kostenpunkt: insgesamt ca. 17.000 Euro) zur Blutwäsche empfohlen, um sein Blut zu entgiften. Leider hat der MDK der Krankenkasse diese Behandlung nun trotz Böhmis genetischem Defekt mehrfach abgelehnt, obwohl seitens der Charité auf die Dringlichkeit und Unumgänglichkeit dieser Behandlung hingewiesen wurde, da er lebensbedrohlich erkrankt ist.